Mobbingfälle - Lehrer gege Mobbing

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Mobbingfälle

Bundesarbeitsgemeinschaft
Lehrer gegen Mobbing e. V.
www.BL-Mobbing.de
 Zusammen kommen ist ein Beginn.
Zusammen bleiben ist ein Fortschritt.
Zusammen arbeiten ist ein Erfolg.
(Henri Ford)

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1. Beispiel

Ein alltäglicher Mobbingfall 

BLM e.V.  _____         _____________           von Marlen Noetzel, April 2017
 
Frau P., 35 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer 4jährigen Tochter arbeitet seit 7 Jahren als Lehrerin  an einer Gesamtschule in einem sozialen Brennpunkt.
 
Es gab weder mit  Schülern oder Kollegen, noch mit der Schulleitung oder den Eltern irgendwelche Probleme. Das Kollegium verstand sich als Team sehr gut, da  ihm ein Schulleiter vorstand, der ein sehr soziales und kollegiales  Verhalten hatte.
Als  aber  die Schulleitung  wechselte, änderte sich auch das kollegiale Klima sehr schnell, da der neue Schulleiter dem Kollegium gegenüber autoritär auftrat.
Nach einiger Zeit zeigte sich, dass er einzelne Kollegen sehr genau beobachtete und hinter ihrem Rücken agierte, indem er beispielsweise mit Schülern und Eltern über die Unterrichtsmethoden dieser Kollegen sprach.
In einer Dienstversammlung sprach Frau P. diese Vorgehensweise an und bat um eine Erklärung.
Von nun an wurde sie nach und nach von ihm immer weitreichender kontrolliert, und auch geschnitten. Einzelne Informationen über Schulinterna wurden ihr vorenthalten.
Zunächst beeindruckte sie das nicht so sehr, da sie keine Fehler machte und die notwendigen Informationen anderweitig erhielt.
Dann aber eskalierte die Situation: Sie musste kurz vor Unterrichtsschluss eine Kollegin um Vertretung bitten, da ihre Tochter im Kindergarten einen Unfall hatte und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Der Schulleiter wollte sie nicht gehen lassen, obwohl die Kollegin sich bereit erklärt hatte, für die noch verbleibende Zeit den Unterricht zu übernehmen. Frau P. verließ  die Schule trotzdem, um zu ihrer Tochter ins Krankenhaus zu fahren. Diese wurde aber noch am gleichen Tag wieder entlassen. Für die nächsten Tage konnte Frau P. kurzfristig eine Betreuung für das Kind organisieren, so dass sie am nächsten Tag ihren Unterricht wieder aufnehmen   konnte.
Nun wurden die Angriffe des Schulleiters und auch seines Vertreters heftiger.
Sie wurde ständig kritisiert; z.B.  wurde in Frage gestellt, ob sie als alleinerziehende Mutter überhaupt Zeit habe, sich auf den Unterricht vorzubereiten. Wenn es disziplinarische Schwierigkeiten mit Schülern gab, wurde sie mit den Problemen alleingelassen und manchmal auch vor  Schülern kritisiert.
Der Schulleiter  besuchte jetzt auch öfter unangemeldet den Unterricht von Frau P., wobei dann auch mal abwertende Bemerkungen fielen, wie: „Hier ist es aber laut!“ oder „Wird hier auch gearbeitet?“
Wenn sie ihn danach zur Rede stellte, stritt er alles ab.
Dann gab es unerwartet angebliche Elternbeschwerden über ihren Unterricht.
Auf die Frage, welche Eltern sich worüber beschwert hätten, bekam sie keine Information.
Auch im Kollegium fand sie immer weniger Unterstützung, da die Kollegen wohl fürchteten, selber  zur Zielscheibe zu werden. Die Personalrätin  riet ihr: das alles nicht so ernst zu nehmen, das werde schon vorrübergehen.
Frau P. bemühte sich lange Zeit  um Gelassenheit und ignorierte das Fehlverhalten des Schulleiters, was aber dazu führte, dass die Angriffe zunahmen und  immer heftiger wurden.  Die Kollegen -mit wenigen Ausnahmen- gingen immer mehr auf Distanz.
 
Als Frau P. sich  hilfesuchend an den Dezernenten wendete, gab es  ein klärendes Gespräch zwischen Frau P. und ihrem Schulleiter,  in dem sich beide bereit erklärten alles zu unternehmen, um zum Wohle der Schüler friedlich und konstruktiv miteinander umzugehen.
Kurze Zeit schien  es auch, dass  dies möglich wäre, bis Frau P. erfuhr, dass der Schulleiter einen Kollegen beauftragt hatte, sie, die wegen einer Grippe zu Hause bleiben musste, aufzusuchen, um zu kontrollieren, ob sie auch wirklich erkrankt war.
Der Kollege aber, täuschte den „Kontrollbesuch“ bei Frau P. nur vor und berichtete dem Schulleiter trotzdem von ihrer tatsächlichen Erkrankung. Frau P. musste dem Kollegen versprechen, dem Schulleiter nichts von dieser „Lüge“ zu berichten.
Nach diesem Vorfall ließ sich der Kollege an eine andere Schule versetzen.
Das Misstrauen des Schulleiters und die Stimmung im Kollegium nahmen zu. Frau P. wusste bald nicht mehr, wem sie noch vertrauen konnte. Vieles, vor allem  Privates, wurde nur noch hinter vorgehaltener Hand besprochen.
Mit den Schülern und Eltern ihrer Klasse  hatte sie nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis, obwohl diese auch bald mitbekamen, dass  es Spannungen zwischen ihr und dem Schulleiter gab.
Nachdem Frau P. zum Schuljahreswechsel ihre Klasse turnusmäßig abgeben musste und es ein ziemlich emotionales Abschlussfest gab, zu dem auch der Schulleiter - wie an der Schule üblich- geladen war,  bemerkte sie  in ihrer neuen 7. Klasse, sehr bald eine recht aggressive  Stimmung ihr gegenüber, die sie sich zuerst nicht erklären konnte.
Bis ihr dann eine Mutter erzählte,  ihr sei mitgeteilt  worden, dass der Schulleiter Schüler und Eltern beauftragt habe, ihm über die Kollegin und ihren Unterricht  zu berichten. Die  Namen der vom Schulleiter beauftragten Eltern und Schüler wollte die Mutter aber nicht nennen. Die Schikanen häuften sich massiv. Frau P. wurde immer wieder zu Gesprächen ins Rektorat zitiert, der Schulleiter erschien wieder unangemeldet zu Unterrichtsbesuchen. Gründe wurden nicht genannt.
Bis es dann  auch Beschwerden der Schüler gab: z.B. Frau P. sei ungerecht, sei zu laut, mache den Unterricht zu schwer etc. Auch das gab dem Schulleiter immer wieder Anlass, zu Dienstgesprächen. Manchmal auch zu Dienstanweisungen, die sie dann auch noch unterschreiben sollte, was sie aber verweigerte.
Und es gab auch keine Unterstützung  des Personalrates, der Kollegen oder des Schulamtes.
Auf ihren Wunsch hin – nachdem sie völlig entkräftet an Burnout erkrankte – wurde sie an eine andere Schule versetzt.
Sie hat die neue Schulleitung über den wahren Grund ihres Wechsels informiert, ist dort gut aufgenommen worden und konnte ohne Schikanen ihrer Arbeit nachgehen.
 
 
Versuchen Sie folgende Fragen zu beantworten:
 
1.     Was macht das Verhältnis zwischen Kollegin und Schulleiter so schwierig?
2.     Wie hätte sich die Kollegin Frau P. anders verhalten können, um die Konflikte auszuräumen?
3.     Was hätten die Kollegen unternehmen können, um das Arbeitslima an der Schule zu verbessern?
4.     Welche Rolle spielen die Eltern und Schüler in diesem Konflikt?
5.     Warum spricht die Schulaufsichtsbehörde kein Machtwort?
 

2. Beispiel


Berlin 2015


Betr. Konfliktprävention an der N.-Grundschule


Sehr geehrte Herr K.,


ich wende mich an Sie als Verantwortlichen für das Aufgabenfeld der Ganztagsbetreuung an Grundschulen.

Ich bin seit bald 42 Jahren als Lehrerin an Sonderschulen ununterbrochen im Berliner Schuldienst tätig und stehe kurz vor meinem Ruhestand.
Mit Empfehlung der Schulaufsicht trat ich im September 2013 meinen Dienst an der N.-Grundschule im Bereich der Willkommensklassen an.


In diesem vorletzten Jahr meiner Dienstzeit musste ich leider sehr negative zwischenmenschliche Erfahrungen machen, die weit entfernt sind von allem, was ich mir für den Schuldienst vorstellen konnte.
Ich wurde ein weiteres Opfer von seelischer Gewalt an dieser Schule– heute als Mobbing bekannt – im Team der Willkommensklasse, in dem auch drei Erzieherinnen arbeiten.

Vor meinen Konflikten hatten die drei Erzieherinnen schon einmal erfolgreich eine andere Lehrerin drangsaliert. Die Kollegin erkrankte deswegen für mehrere Monate und stellte daraufhin einen Umsetzungsantrag.
Dieser vorausgehende Konflikt wurde von den Verantwortlichen weder rechtzeitig erkannt noch professionell gelöst. Ich hatte bei meinem Dienstantritt keine Kenntnis von diesen vorausgegangenen Konflikten und bin als „Nachfolgerin“ in den gleichen Strudel geraten.

Ebenso wie bei meiner Vorgängerin wurde meine Arbeit von den Erzieherinnen sabotiert, boykottiert, völlig substanzlos und anmaßend kritisiert, ins Lächerliche gezogen, entwertet.

Wie bei solchen zerstörerischen Prozessen üblich, wurde durch falsche und verfälschte Informationen und aufgebauschte Tatsachen die Lehrerinnen der anderen Willkommensklasse manipuliert und zu Mittäterinnen gemacht. Das konnte so leicht gelingen, weil eine Kollegin noch nie in einer öffentlichen Schule gearbeitet hatte und dementsprechend wenig Erfahrung mit Mobbingvorgängen an öffentlichen Schulen hatte.
Die Erzieherinnen überschritten ihre Kompetenzen bei der Organisation des Schuljahres, mischten sich unqualifiziert in den Unterricht und in die Erziehungs- und Elternarbeit ein, setzten Eltern und Schüler unter Druck, hielten arbeitsrelevante Informationen zurück und führten einen autoritären Erziehungsstil und waren nicht bereit, Ausgaben für die Klassen ordnungsgemäß abzurechen, so dass z.B. die Ausgabe für Fahrkarten nicht
zuordnen konnte.

Ebenso wie meine Vorgängerin wurde ich schikaniert, denunziert, beleidigt, diffamiert, isoliert, vor Schülern und Kollegen angeschrieen und in meinem Ruf beschädigt, da gegen mich in übelster Weise intrigiert und ich zum Sündenbock abgestempelt wurde.

Bei all diesen Aktionen trat die Erzieherin Frau Z. als Drahtzieherin immer deutlicher in den Vordergrund.

Wie bei seelischer Gewalt üblich, geschahen diese Attacken jeweils ohne Zeugen und wurden von Außenstehenden falsch interpretiert. Die Tragweite
dieses Verhaltens wurde weitgehend unterschätzt.

Für diese destruktive Kommunikation gibt es viele Beispiele. Die meisten aufgeführten Beispiele sind leicht überprüfbar, da sie im Klassenbuch festgehalten wurden.

Im Mai 2014 fand eine Gesprächsrunde gemäß der Dienstvereinbarung über Mobbing statt. Frau Z. benutzte diese Gelegenheit, um mich ein weiteres Mal zu destabilisieren, zu diffamieren und zu denunzieren. Als Höhepunkt wünschte sie sich in den Zielvereinbarungen nicht nur von mir dafür freundlich und zugewandt angesprochen zu werden, sondern auch noch meine Wertschätzung ihrer Arbeit, die doch darin bestand, mich und meine Arbeit zu zerstören.

Das war mir selbstverständlich nicht möglich und ich habe das Protokoll nicht unterschrieben.

In den folgenden Wochen eskalierte der Konflikt und griff auf die Schüler/innen über. Eine Erzieherin verweigerte ihren Dienst und erklärte, dass sie nicht mit mir kooperieren wolle. Diese Dienstverweigerung hatte keine Konsequenzen.

Ich hielt diesen Belastungen nicht mehr stand und bin seit Juni 2014 - nach nur 9 Monaten Dienstzeit an dieser Schule- krank geschrieben.

In diesem persönlich erlebten Fall an der N.-Grundschule sind extrem hohe Fehlzeiten angefallen (Lehrerin H. 5 Monate und ich bislang 10 Monate Krankschreibung). Somit belaufen sich allein die Personalkosten für die zerstörerischen Beziehungsmuster im Bereich der Willkommensklassen an dieser Schule in dem erwähnten Zeitraum auf mehr als 80 000,- Euro.

Dieser Betrag wird von Steuerzahlern aufgebracht, die dafür nicht nur keine Gegenleistung erhalten, sondern sie müssen dafür zahlen dafür, dass eine der wichtigsten Einrichtungen der Gesellschaft ihrem Erziehungsauftrag nicht gerecht wird.

Erst 2015 har die Schule mit einem sehr hohen personellen und zeitlichen Aufwand versucht, diesen Konflikt zu lösen.

Die verantwortlichen für die Erzieherinnen haben bisher keinen Beitrag geleistet.

Im Gegenteil.
Im Januar 2015 fand ein Präventionsgespräch statt, an dem Herr D. auf seinen Wunsch mit meiner Zustimmung teilnahm. Ich stellte den Prozess, der zu meiner Krankschreibung führte, im Zusammenhang umfassend da. Da die gegenseitig erhobenen Vorwürfe nie auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und die Beziehungs- und Sachebene nicht voneinander getrennt wurden, die Dienstpflichtverletzungen der Erzieherinnen nicht geahndet und das respektlose Verhalten nicht zurückgewiesen wurde, konnte dieser Konflikt nicht gelöst werden, sondern eskalierte. Die Schulleiterin hat ihre Rolle in diesem Prozess erkannt, analysiert, ihren Anteil der Verantwortung übernommen und eine Wiedergutmachung angeboten.
Herr D. hat die Konflikte weiterhin bagatellisiert und auf strukturelle Mängel zurückgeführt.

In einem weiteren Gespräch mit ihrer Mitarbeiterin Frau S. und dem Personalrat Herrn M. im März 2015 lobten Herr D. und Frau S. die Arbeit der Erzieherinnen sogar noch.

Deswegen wende ich mich an Sie.
Ich bitte Sie um Übernahme der Verantwortung für die Arbeit der Erzieherinnen. Ich bitte Sie, Sorge zu tragen, dass die Konflikte professionell aufgearbeitet und gelöst werden, zum Wohl der Schüler/innen, im Sinne eines konstruktiven Arbeitsklimas an der Schule und für die Gesundheit der Lehrer/innen und Erzieher/innen.

Ich freue mich auf Ihre Rückantwort.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
Anmerkung:
Mit freundlichen Grüßen A.H. 



Anmerkung:
Dieser Brief gilt als Muster, wie man an die Verantwortlichen in den Schulen schriftlich herantreten kann, um sein Anliegen vorzubringen.

Selbstverständlich müssen für alle Vorwürfe und Anschuldigungen durch Beweise belegt werden. Dieses können Zeugen, Schriftstücke, Klassenbucheinträge, Gesprächsprotokolle und/oder Elternberichte sein.

Um die Annonymität dieses Textes zu wahren, sind diese Belege
nicht mit aufgeführt.

Der Text zeigt aber trotzdem sehr gut, wie man entsprechende
Schriftstücke verfassen kann.

30.05.2015 Barbara Kleist 1. Vorsitzende

 
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